Winterbaustellen fordern besondere Aufmerksamkeit und Maßnahmen

Sobald die Neubauten in die Winterzeit laufen, sind einige Maßnahmen zu treffen. In der Regel versuchen die Baufirmen, den Rohbau dicht zu bekommen. Das Dach ist bereits auf dem Gebäude und die Fenster sind eingebaut. In dem einen oder anderen Bau läuft sogar eine Heizung. Auf einer anderen Baustelle kann der Bautenstand jedoch ganz anders aussehen.

Das Dach offen, die Mauerkronen liegen frei, es regnet überall hinein und es wird kalt. Feuchtigkeit zieht ein und bauphysikalische Schäden drohen!

Wer im Herbst mit dem Bau startet, wird ihn vor dem Winter nicht mehr abschließen können. Auch gilt dies für Baustellen, auf denen der Baufortschritt ins Stocken geraten ist. Als Bauherr solltet Ihr die drohenden Gefahren kennen, um entsprechend handeln zu können. Was passiert auf der Baustelle und mit den dort gelagerten Bauteilen? Wer sichert den Rohbau und wer kommt für evtl. Schäden auf?

Hinweis:
Das Hauptproblem auf Winterbaustellen ist die Feuchtigkeit. Der Estrich wurde aufgebracht, die Innenwände sind verputzt. Allein durch diese beiden Gewerke ist sehr viel Feuchtigkeit ins Haus geraten.

Bei 100 m² Neubaufläche werden ca. 2.800 l Wasser eingebracht, die wieder heraussollen. In idealen Trocknungsphasen braucht der Bau dafür 6 bis 10 Wochen.

Es ist unabdingbar, Winter-Rohbauten konsequent zu durchlüften und zu beheizen. Läuft die eigene Heizung noch nicht, ist es wichtig, dass Bautrockner und Entfeuchter aufgestellt werden, und zwar in ausreichender Menge und in Abhängigkeit von der Kubikmeter- Fläche zum umbauten Raum. Oftmals ist zu beobachten, dass ein einsamer Bautrockner samt Entfeuchter im Flur eines 150-m²- Hauses steht. Es dürfte Euch bereits bewusst sein, dass dies niemals ausreichen wird.

Ein weiterer großer Fehler, der oft beobachtet wird: Im Erdgeschoss und im ersten Stock wird verputzt und geheizt. Dabei stehen die Öffnungen zum ausgebauten und ungedämmten Dachgeschoss sperrangelweit offen.

Weder eine Dampfbremse noch die Bodeneinschubtreppe wurde bisher dort verbaut. Die Feuchtigkeit zieht nun wie in einem Kamin von unten durch diese Öffnungen nach oben, schlägt sich an den kühlen Bauteilen, wie z. B. Dachsparren, nieder und kann zu Schimmelbefall führen.

Solche Probleme lassen sich vermeiden, indem der beheizte und kühle Bereich getrennt wird. Alle Öffnungen zum ausgebauten Dachgeschoss sollten dringend luftdicht verschlossen werden. Danach kann im unteren Bereich der Ausbau weiterlaufen. Estrich und Putz können angebracht werden und die Feuchtigkeit über die Fenster abziehen.

Vorsicht: Winter! – Machen Sie Ihren Rohbau winterfest

Mit moderner Bautechnik und den heutigen Baustoffen können Häuser selbst in den Wintermonaten hochgezogen werden. Fallen die Temperaturen sogar noch unter die Herstellervorgaben für Baumaterialien, werden große Zelte über die Neubauten gespannt. Und innen laufen Heizgebläse, Bautrockner und Entfeuchter.

Rechtsgrundlage

Winterschutz ist Sache der Baufirma und sogar in DIN 18299 geregelt. Zwischen Vertrag und Wirklichkeit klaffen oft Welten. Gerade wenn Firmen in finanziellen Schwierigkeiten stecken, verlassen sie häufig Hals über Kopf die Baustelle. Dann sollte der Bauherr besser ein paar Hundert Euro in die Sicherung investieren, als tatenlos zuzusehen, wie sich sein Haus in eine Bauruine verwandelt.

Diese Art des Bauens hat selbstverständlich seinen Preis. Kalkuliert man dagegen die verkürzte Bauzeit mit einer Zwischenfinanzierung und etwaigen Bereitstellungszinsen, kann sich das rechnen. Solche „Bauzelte“ sind meist jedoch Exoten auf den Baustellen. In der Regel wird klassisch – auch über die Wintermonate – gebaut. Erst wenn der Schnee fällt und sich der Frost auf das Material legt, legen die Maurer ihre Kellen beiseite – sollten sie zumindest, um spätere Schäden zu vermeiden.

Wenn Baustellen im Winter stillstehen, kann das für Euch bitter werden, wenn Euer Bau in der Rohbauphase steckt. Häufig stehen Häuser ohne Dach da, mit offenen Mauerkronen und vollgelaufenen Kellern. Ein Großteil der Bausumme steckt in den rohen Wänden. Ihr habt bereits viel Geld investiert. Damit Ihr am Ende keine Bauruine vorfinden, könnt Ihr mit kleinen Mitteln Euer Haus vor Nässe sichern.

Tipp:

Besichtigt in den frostigen Monaten möglichst oft Eure Baustelle und macht dort Kontrollgänge. Verlasst Euch keinesfalls allein darauf, dass Eure Baufirma dies macht. Sorgt dafür, dass das Wasser draußen bleibt und der Bau so dicht wie möglich ist.

Offene Baustellen

Richtig heikel wird es bei offenen Winterbaustellen. Ist der Rohbau nicht mit Fenstern und einem Dach versehen, kann Wasser ungehindert eindringen. Durchnässte Steine drohen so später bei Frost zu platzen. Zudem hält auf nassem Mauerwerk kein Putz. Somit muss dies im Frühjahr mühsam getrocknet und evtl. ausgetauscht werden.

Auch das eindringende Regewasser kann von der Bodenplatte in das Mauerwerk ziehen. Bauherren sollten daher unbedingt ihren Keller im Auge halten. Hier kann sich viel Wasser ansammeln und in die unteren Schichten ihrer Mauern einziehen.

Auch bei den Fenstern besteht Gefahr. Vor allem bei Holfenstern können sich Wasserblasen im Lack der Außenbeschichtung bilden. Dies führt zu beträchtlichen Schäden in der gesamten Fenster Konstruktion. Lackschäden zeigen sich oft durch großflächig verteilte Blasen auf der Außenseite der Fenster. Zunächst sind die Blasen mit Wasser gefüllt. Später trocknen sie ein und hinterlassen eine spröde, rissige Oberfläche.

Rohbau fertig – WDVS drauf und aus

Auch diese Praxis wird auf heutigen Baustellen oftmals beobachtet: Auf klatschnasse Außenwänden wird das WDVS (Wärmedämmverbundsystem) aufgeklebt. Schnelles Bauen hat nichts mit Übereifer zu tun. Dank guter Materialien hat sich die Bauzeit mittlerweile verkürzt, dennoch benötigen einige Gewerke ihre Zeit.

So werden Innenwände verputzt und der Estrich im Haus gegossen. Durch die zu schnelle Dämmung von außen wird der Feuchtigkeit innen keine Möglichkeit zum Entweichen gegeben. Die Luft kann nicht mehr ordnungsmäßig zirkulieren und die Feuchtigkeit hinaustragen. Der Neubau hat keine Chance mehr, vernünftig durchzutrocknen, da die Gebäudehülle komplett verpackt ist.

Das ausdunstende Wasser kondensiert am kalten Putz oder auf der Dachunterseite und bietet so Schimmel exzellente Lebensbedingungen. Verzweifelt geht der Griff zu den Fenstern. Die werden tagelang, wenn nicht sogar über mehrere Wochen auf Kipp gestellt. Eine Austrocknung des Gebäudes erreichen Sie aber nur, indem Sie das Haus gezielt belüften. Die Fenster zu kippen wird nicht den gewünschten Erfolg bringen. Über die Fenster hat Ihr lediglich die Möglichkeit, mit Stoßlüften die Feuchte aus dem Gebäude zu bekommen. Stoßlüften solltet Ihr nur in den Morgen- oder Abendstunden. Die Umgebungsluft ist in dieser Zeit eher trocken. Öffnet für ca. 10 bis 15 Minuten alle Fenster und Türen im Gebäude.

Den sichersten Erfolg erreicht Ihr nur über den Einsatz von Bautrocknern und Entfeuchtern. Stellt genügend Geräte verteilt im Haus auf und leert regelmäßig die Auffangbehälter.

Hinweis:

Feuchtigkeit kann nur von warm nach kalt über die Luft transportiert werden. Dazu ist es nötig, das Gebäude aufzuheizen, um dann nach einer Aufheizphase das Gebäude quer zu lüften. Nur so bekommen Sie die Feuchtigkeit im Haus abtransportiert.

Wie auch immer hier vorgegangen wird: Vor dem Erstbezug eines Neubaus muss dieser vollständig trocken sein! Besonders kritisch sind Innen- und Außenwände, die beidseitig mit Putz verkleidet sind. Lasst die WDVS zunächst weg, sollten die Außenwände keine Möglichkeit mehr zum Trocknen haben. Gebt dieses Gewerk lieber im Frühjahr von Neuem an.

Euer gutes Recht: Nehmt Schlechtwetter in den Vertrag auf

Die Baufirma ist in der Pflicht, bis zur Bauabnahme die Baustelle vor Winterschäden zu schützen. Dies betrifft den Rohbau und alle dort gelagerten Materialien wie Bauteile. In Verträgen der Schlüsselfertiganbieter wird dies im „Kleingedruckten“ gerne ausgeschlossen. Dort verpflichten sich Bauherren plötzlich, sich selbst um die Trocknung des Baus zu kümmern.

Das geht vielleicht, wenn ein Unternehmer nur einzelne Gewerke übernimmt, nicht aber, wenn sich eine Firma vertraglich verpflichtet hat, ein komplettes Haus zu bauen. Dann muss diese sich auch um die Trocknung der Baustelle kümmern.

Art und Umfang der erforderlichen Schutzmaßnahmen richten sich dabei nach der Zumutbarkeit. Wie weit hier nun die Haftung geht, bietet oft Konfliktstoff. Für die Baufirma reichen manche Maßnahmen aus, die Bauherren beurteilen dies anders. Daher sollten vorab klare vertragliche Regelungen getroffen werden. Ihr solltet diese anschließend von einem Fachanwalt und Sachverständigen prüfen lassen. Auch wenn dies zunächst Mehrkosten sind, kann sich dieser Aufwand später auszahlen.

Nochmals: Die Baufirma ist vertraglich verpflichtet, ein mangelfreies Haus zu erstellen! Darüber gibt es keine Diskussionen. Wenn also bei der Bauabnahme bereits zu viel Feuchte im Bau ist, kann Schimmel drohen. Dies ist ein Mangel, den Sie als Bauherr nicht zu akzeptieren brauchen.

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