Installation der Hausautomation

Im ersten Teil unserer kleinen Serie über die Hausautomation berichten wir auf unserem Hausbau Blog über die Verkabelung und der Grundinstallation. Sowie ein paar Überlegungen, die dabei am Anfang stehen sollten. Bevor wir nun mit der eigentlichen Rohinstallation im Haus starten eine kurze Begriffserklärung:

Bei der Hausautomation nutzen wir zum Schalten von Licht usw. keinen Schalter, sondern einen Taster. Diese Taster können später in der Programmierung jeweils mit zwei Funktionen ausgestattet werden. Dies bedeutet, dass nicht nur ein Endgerät (Lampe, Steckdose usw.) damit geschaltet werden kann, sondern gleich noch ein weiterer Befehl dazu. Auch welches Gerät im Haus mit dem Taster gesteuert wird, entscheidet später die Programmierung.

Was bedeutet das nun für die Hausautomation?

Ein Taster im Wohnzimmer kann eine Deckenlampe dort an- und ausschalten, sowie den Befehl zum herunterfahren sämtlicher Rollläden haben. Dazu haben wir zwei Befehle. Kurzes Drücken des Tasters, oder mehr als drei Sekunden.

Bauherrntipp: Es müssen keine speziellen Taster verwendet werden! Bei der Bemusterung sollte nur darauf geachtet werden, dass ihr gewünschtes Schaltergramm auch Taster führt.

Selbst die Heizung kann über die Hausautomation gesteuert werden. Damit müssen später keine, teils komplizierten, Einstellungen an der Heizung selbst vorgenommen werden. Ebenso entfällt dort eine Urlaubseinstellung. Die gesamte Beheizung steuert später die Hausautomation und kann ebenso per Funk von jedem Ort der Welt überwacht und gesteuert werden.

 

Grundüberlegung über die Verkabelung

Die Verkabelung der gesamten Anlage kann auf zwei unterschiedlichen Wegen erfolgen. Zum einen bietet sich die „normale“ elektronische Verkabelung an. Hier geht ein Kabel der Verteilung (Sicherungskasten) zur ersten Steckdose im Raum. Von dort aus zur Nächsten usw. Pro Stromkreis und Raum ein Kabel.

In der zweiten Variante, der sternförmigen Verkabelung, gehen jeweils ein Kabel zum Schalter, ein Zweites zur Lampe und ein Drittes zur Steckdose. Vorteil bei dieser Variante: Zu jeder Zeit kann später in der Verteilung entschieden werden, ob der Schalter die Lampe oder die Steckdose schalten soll. Die Verdrahtung wird einfach in der Verteilung getauscht.

 

Verteilung der Verkabelung

Bei der Verteilung sind fast keine Grenzen gesetzt. Vor der Verkabelung steht daher die Überlegungen an, welcher Taster welche Lampe, welche Steckdose usw. über das Haussteuerungssystem steuert.

Es bietet sich daher die Möglichkeit mehr als drei Adern zu verlegen und so die Steckdose unter dem Taster an eine andere Sicherung zu hängen. Oder die Steckdose schalten, oder später einen doppelten Schalter einbauen.

Zu den Doppelsteckdosen können drei, oder mehr Adern verlegt werden. Entweder ein Stromkreis für beide Dosen, oder flexibel getrennt. Eine Dose Dauerspannung, eine Dose schaltbar.

Nachdem nun sämtliche Kabel in der Verteilung angekommen sind, werden die Taster auf die Eingänge der Module gelegt und die Steckdosen auf die Aktoren.

Die Verkabelung selbst kann über ein Netzwerkkabel (Cat 6 Kabel), oder Telefondraht erfolgen. Eine Hausautomation nimmt zur normalen Elektroverteilung einiges an Platz mehr im Verteilerschrank ein. Daher sollte dieser vorab groß genug, oder ein separater Schrank geplant werden. Zur besseren Übersicht die Haussteuerungsverteilung vom Rest räumlich trennen, und einen eigenen Bereich im Verteilerschrank einräumen.

 

Funk

Die Rollladenschalter werden über Funk gesteuert. Dazu bietet die Hausautomation einen Rollladenaktor zur Unterputzmontage. Anschließend wird der Taster aus dem gewünschten Schalterprogramm aufgesetzt.

Achten Sie bei der Auslegung ihrer Hausautomation auf die Reichweite und dem späteren Standwort der Basisstation. Bei größeren Gebäuden mit viel verbauten Stahl, Beton und Eisen könnten Funkaktoren nicht mehr erreichbar sein. Dann muss eine größere Basisstation mit einem zusätzlichen Accesspoint gewählt werden.

Wer später feststellen sollte, dass seine Grundinstallation Lücken aufweist, hat die Möglichkeit mit weiteren Funkaktoren zu Arbeiten. Diese können zum einen in die Steckdose verbaut werden, was später nicht mehr zu erkennen ist, oder mit einem Funkaufsatz. Letztere ist auch noch später sehr flexibel. Ein Anwendungsbeispiel könnte die Kaffeemaschine sein. Ein nachträglicher Standortwechsel ist immer möglich. Stecker raus, Funkaufsatz raus, alles in die neue Steckdose und fertig. Bei einem festen Einbau in die Steckdose, muss diese und die Neue komplett auseinandergebaut werden.

 

Was braucht man wirklich, was nicht

Letztendlich muss man sagen, dass eine rein sternförmige Verkabelung kaum einen Sinn macht. Die Bauherren sollten sich fragen, ob nun wirklich jede Steckdose einzeln geschaltet werden soll? Sicher ist das eine nette Spielerei, aber wirklich sinnvoll ist das nicht. Zumal diese Variante auch eine Kostenfrage ist.

Weiterhin muss auch nicht jede Steckdose, oder das Licht für jeden Raum über die Haussteuerung geschalten werden. Der kleine Hauswirtschaftsraum mit seinen 6 m² hat eine Lampe und einen Schalter. Dies wird sich kaum ändern! Hier könnte somit konventionell verkabelt und gespart werden.

 

0 votes

3 Gedanken zu „Installation der Hausautomation

  1. Interessanter Artikel zu einem »weiten Feld«. Zum Thema Funk gab es in der letzten c’t (9/2013) auch Vergleiche und Beispiele verschiedener Systeme.

    Wenn die Hausautomation mit einem Bussystem wie KNX (früher) EIB gelöst wird, weichen ein paar Punkte etwas ab. Die Busleitung kann neben dem Stern auch als offener (!) Ring rund um alle Räume geführt werden. Dann muss nur jeweils eine Stichleitung zu dem jeweiligen Sensor (Taster, Bewegungsmelder, Präsenzmelder, …) gelegt werden.

    Sinnvoll ist es dabei, wie oben dargestellt, die Räume mindestens mit einer 5-adrigen NYM-Leitung »anzufahren«. Daraus ergeben sich dann 3 »Funktionen«, wie Licht, Steckdose schaltbar und Steckdose(n) mit Dauerstrom. Wer mehr schaltbare Steckdosen in einem Raum braucht, kann entweder mehrere 5 oder ggf. auch 7-adrige NYM-Leitungen verwenden. Mit KNX können zwar auch dezentrale Schaltaktoren verwendet werden, diese sind allerdings in aller Regel teurer als zentrale Aktoren.

    Wenn dann mal alles auf den Aktoren aufgelegt ist, muss für eine Funktionsänderung nur noch die »Programmierung« geändert werden. Ein »Umklemmen« im Schrank entfällt und es ist völlig egal, was von wo (und von was) geschaltet wird. Falls man selbst Änderungen vornehmen möchte, sollte man sich in das Thema gut einarbeiten und muss ca. 1.000 € für die Software ETS mit einplanen (Tipp: im KNX-User-Forum gibt es immer wieder mal Sammelbestellungen mit der die Software günstiger gekauft werden kann).

    Wer sich für die Hausautomation mit KNX interessiert findet dazu einige Überlegungen und weiterführende Links in unserem Baublog: http://blog.dpesch.de/hausbau/2012/04/06/ueberlegungen-bus-systeme-knx-1-wire-im-bio-solar-haus/

    1. Hallo,
      vielen Dank für diesen Eintrag. Die Lösung alles über die Programmierung zu ändern, finde ich sogar noch interessanter. Dies erspart einiges an Arbeiten im Verteilerschrank und man bleibt dabei jederzeit flexibel.
      Auf dem Markt wird sich sicherlich noch einiges bewegen.
      Schöne Grüße
      Die Bauherren

Kommentar verfassen