Baumängel richtig anzeigen

Für die meisten Menschen ist der Bau eines Eigenheims ein einmaliges Erlebnis in ihrem Leben. Dahinter steht oftmals ein hoher finanzieller Aufwand, den es zu schützen gilt. Daher sind Mängel am Bau ärgerlich und müssen sofort angezeigt werden. Ganz gleich, ob Sie ein Haus oder Wohnung bauen, bzw. bauen lassen.

Zunächst einmal gilt es den Mangel festzustellen. Oft eine erste Hürde, welche für die meisten Bauherren so gut wie unmöglich zu überwinden ist. Klar, sind Risse in der Wand oder eine schief sitzende Tür im Rahmen leicht festzustellen! Wie sieht es aber mit der richtigen Wärmedämmung aus? Der Einhaltung von Richtlinien bestimmter Energieverordnungen? Einer korrekten Abdichtung der Bodenplatte?

Wer baut, sollte gut beraten sein, sich einen unabhängigen Fachmann ins Boot zu holen. Dies können ein freier Gutachter/Architekt, oder der TÜV sowie die DEKRA sein. Unabhängige Qualitätsüberwachung heißt das Zauberwort. Ziel dieser Prüfungen muss die Einhaltung der anerkannten Regeln der Bautechnik sein.

Solche Überprüfungen finden, je nach Baufortschritt, in mehreren Phasen auf der Baustelle statt. Neben dem Gutachter, muss ebenfalls ein Vertreter der Baufirma vor Ort sein. Bauherren sind gut beraten selbst bei dem Termin anwesend zu sein. Der Bautenstand und sämtliche Mängel werden dokumentiert, worüber ein Bericht erstellt wird. Dieses erhält die Baufirma und ebenfalls die Bauherren. Es ist besonders wichtig, dass die festgestellten Mängel angezeigt und in Frist gesetzt werden. Die Mängelanzeige wird von den Bauherren ausgesprochen und an die Baufirma geschickt.

 

Mängelanzeigen

Bei der Mängelanzeige werden noch immer viele Fehler gemacht. Sie muss schriftlich und per Einschreiben erfolgen. Für die sichere Zustellung bietet sich ein Einwurf-Einschreiben an. Der Empfang muss nicht bestätigt werden, sondern der Postbote bürgt für die sichere Zustellung. Es reicht nicht aus, Baumängel und Fristsetzung per Mail, Fax oder telefonisch auszusprechen. Im Notfall muss später, vor Gericht, eine schlüssige Zustellung der Anzeige bewiesen werden.

Sämtliche Mängel müssen dem Vertragspartner gegenüber angezeigt werden. Subunternehmer etc. können gerne Kopien zugestellt werden, sind aber zunächst nicht relevant. Der Vertragspartner ist für die Beseitigung der Mängel zuständig. Wen er damit beauftragt, obliegt ihm selbst.

Die Mängelanzeige muss eine eindeutige Frist enthalten (Bspw. bis zum 01.02.2013). Darin wird die Baufirma mit der Beseitigung der Mängel aufgefordert. Diese muss am Kalender konkret zu berechnen und angemessen sein. Formulierungen, wie „kurzfristig“ oder „rasch“ reichen nicht aus.  Angemessen bedeutet, dass dem Bauunternehmer eine realistische Zeit eingeräumt werden muss.

Ihm muss die Möglichkeit gewährt werden, Materialien zu ordern und die Baustelle zu besetzen. Hierbei ist auch die Witterung zu beachten. Bei Frost eine Frist von zwei Wochen um Mängel am Außenputz zu beseitigen ist unzulässig. Der Bauherr würde sich mit einer solchen Frist zudem noch selbst schaden.

In einer Mängelbeseitigungsaufforderung sind die Mängel exakt zu beschreiben. „Das Fenster geht nicht auf“, reicht nicht. Die Mängel müssen ausreichend und treffend beschrieben werden. So, dass sie anhand der Beschreibung zweifelsfrei gefunden und beseitigt werden können. Selbst fremde Handwerker müssen dazu in der Lage sein. Es kann auch vorkommen, dass neue Subunternehmer mit den Arbeiten beauftragt werden.

 

Mängelfrist abwarten

Die Bauherren müssen anschließend die Fristen einhalten und abwarten. Eine eigenständige Vergabe an Fremdfirmen, darf erst nach Ablauf der Frist erfolgen. Auch wenn Bauherren selbst die Arbeiten durchführen wollen, müssen sie warten. Die Mängelanzeige ist Voraussetzung dafür, dass der Bauherr weitere Rechte durchsetzen kann. Erst wenn die Baufirma ihrer Pflicht nicht nachkommt, können weitere Schritte eingeleitet werden.

Nach Ablauf der Frist können die Arbeiten anderweitig vergeben und eingeklagt werden. Abschlagsrechungen können von den Bauherren entsprechend zurückgehalten werden. Achten Sie darauf, dass sich der Bautenstand und die Rechnungen stets in der Waage halten. Notfalls müssen die Gelder anschließend vor Gericht eingeklagt werden.

Hierzu rät ebenfalls der Verband Privater Bauherren e.V. in einer Pressemitteilung.

 

Von Bauherren und Baufirmen

Grundsätzlich empfehlen wir, die einzelnen Schritte des Bauprojekts regelmäßig zu dokumentieren. Neben einer detaillierten Beschreibung, ist es sinnvoll die Mängel zu fotografieren. Bauherren und Baufirma sind gut beraten stets eine Einigung zu finden und die Probleme zu lösen. Ein Bauprojekt vor Gericht einzuklagen sollte für alle Parteien stets der letzte Ausweg sein.

Neuen Berichten zufolge hat Pfusch am Bau in jüngster Zeit stark zugenommen. Allein im Jahr 2011 haben deutsche Zivilgerichte 45.000 Fälle von Baustreitigkeiten verhandelt. Bau-Experten schätzten den Schaden auf jährlich eineinhalb bis fünf Milliarden Euro. Dies zeigen die aktuellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt.

Die Bundesregierung prüft inzwischen, wie Bauherren besser geschützt werden können. Allerdings steht dieser Prozess noch am Anfang. Der  Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und der Der Verband Privater Bauherren (VBP) stehen sich hier gegenüber.

Der ZDB stellt sich entsprechend seiner Berufung hinter die Baufirmen. „Eine Vielzahl sogenannter Mängel resultieren daraus, dass während der Bauzeit seitens des Bauherrn die Pläne geändert werden sollen“, heißt es von dort. „Dieses führt zwangsläufig zu Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen.“

Der VBP mahnt dagegen die stetig steigende Zahl an Schäden durch Pfusch am Bau an. «Es gibt keinen Bau mehr ohne Mängel», so der Verband Privater Bauherren. Einer Studie zufolge sind 97 Prozent der Werkverträge mit gravierenden Mängeln behaftet.

 

Mängelanzeige-Beispiel

 

 

 

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