11 Tipps für einen fairen Bauvertrag

Beim Neubau sollten die Bauherren genau wissen, worauf sie sich einlassen. Voraussetzung dafür ist ein einwandfreier Bauvertrag. Wer Ärger aus dem Weg gehen möchte, sollte den Werkvertrag vor Unterzeichnung prüfen lassen. Zudem sind alle Absprachen, Vereinbarungen und Sonderwünsche grundsätzlich vertraglich festzuhalten.

Darauf sollte Sie besonderen Wert legen:

  1. Die Bau- und Leistungsbeschreibung beschreibt was und wie gebaut wird. Materialien, Leistungen sowie den Ausstattungsgrad detailliert formulieren.
  2. Abschlagszahlungen nur nach tatsächlichem Baufortschritt und mängelfreier Leistung anweisen. Höhe und Fälligkeit müssen genau festgelegt sein und auf ein Treuhandkonto gehen.
  3. Da auch Bauverzögerungen teuer werden können, muss ein Zeitplan, sowie ein Baubeginn und Baufertigstellungstermin festgeschrieben werden. Dieser gehört in den Werkvertrag.
  4. Ratsam ist es, die Einhaltung der Termine durch Vertragsstrafe-Klauseln für Fristüberschreitung abzusichern.
  5. Baumängel treten oft erst nach Fertigstellung auf. Achten Sie daher auf eine fünf jährige Gewährleistungsfrist.
  6. Aufgrund des Insolvenzrisikos des Auftragnehmers empfiehlt sich vor Vertragsabschluss eine Fertigstellungsgarantie.
  7. Ein Vertragsvorbehalt sollte dann vereinbart werden, wenn vor Vertragsabschluss noch wichtige Punkte wie Baugenehmigung oder Darlehenszusage fehlen.
  8. Häufig nicht im Vertrag enthalten sind beispielsweise sogenannte Baunebenkosten, wie Vermessungsarbeiten, Bodengutachten, Aushub, Anschlüsse und Erschließungskosten. Diese Positionen gehören zu einem gebrauchs- und bezugsfertigen Haus und sollten auch im Festpreis enthalten sein. Wenn nicht, sollten sie zumindest so ausgewiesen sein, dass sie kontrollierbar bleiben.
  9. Vereinbaren Sie eine klare Regelung und eine Bindungszeit von maximal zwei bis vier Wochen nach Unterzeichnung. Der Vertrag wird erst nach Zustimmung des Baupartners bindend. Davon hängen wieder alle anderen Fristen ab.
  10. Beachten Sie unbedingt, dass auch bei einer Pauschalpreisvereinbarung das Wort „Festpreis“ genannt ist oder „Pauschalfestpreis“. (Das bedeutet, dass der vereinbarte Preis auch dann bestehen bleibt, sollten während der Bauzeit höhere Lohn- oder Materialkosten entstehen.)
  11. Akzeptieren Sie nach Möglichkeit keine Änderungsvorbehalte. Die Meinung darüber, welche „geringfügigen“ oder „technisch gleichwertigen“ Änderungen sind, dürfte sehr stark auseinander gehen.

 

Am Ende einmal mehr der sicherste Ratschlag:

Investieren Sie ein paar Euro mehr und lassen den Vertrag von einem im Baurecht spezialisierten Anwalt prüfen. Darüber hinaus engagieren Sie einen unabhängigen Gutachter, der eine baubegleitende Qualitätsüberwachung durchführt.

Ist das Kind trotz aller Vorsichtsmaßnahmen am Ende doch in den Brunnen gefallen, geraten Sie nicht in blinden Aktionismus. Bauen ist und bleibt eine Vertrauenssache! Sprechen Sie mit Ihrer Baufirma und versuchen Sie immer zuerst die Probleme auf dem „kleinen Dienstweg“ zu klären.

 

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Ein Gedanke zu „11 Tipps für einen fairen Bauvertrag

  1. Vielen dank für den interessanten Beitrag.
    Wir haben uns, um auf Nummer sicher zu gehen, mit einem Anwalt in Verbindung gesetzt. Die Grundstücksgrenzen wurden vom Verkäufer anders angegeben, als sie sein sollten. Schließlich kennt man sich mit dem Baurecht weniger aus, als ein Anwalt. Nun sehen wir zuversichtlich einer schnellten Klärung entgegen.

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